
Die Langeooger Vogelkolonie befindet sich im Ostteil der Insel. Sie erstreckt sich über mehrere Kilometer vom "Kleinen Schloop" (hinter der Melkhörndüne in Höhe Jugendherberge) in Richtung Meierei und gehört zur Ruhezone des Nationalparks "Niedersächsisches Wattenmeer".
Das Vogelwärterhäuschen liegt direkt am Rad- und Wanderweg zur Meierei. Hier befindet sich auch der Eingang zur Vogelkolonie, die nur unter sachkundiger Führung betreten werden darf.
In der Langeooger Kolonie brüten vor allem die großen Silbermöwen (ca. 4.500 Paare), aber auch Lachmöwen und andere Vögel.
Die Silbermöwe ist ca. 56 cm lang. Kopf, Brust und Bauch sind weiß, Rücken und Flügel silbergrau gefärbt mit schwarz-weißen Spitzen. Von der Heringsmöwe kannst du sie neben der Rückenfarbe (bei der Heringsmöwe grau-schwarz) auch an den fleischfarbenen Beinen unterscheiden (die Beine der Heringsmöwe sind gelblich).

Im Mai beginnen die Silbermöwen mit dem Eierlegen. Das Nest wird von beiden Elterntieren aus Dünengras, Tang und Strandgut zusammengetragen und in den Dünen angelegt. Die zwei bis drei Eier werden im Abstand von zwei bis drei Tagen gelegt und vom Männchen und Weibchen abwechselnd bebrütet. Nach etwa vier Wochen schlüpfen die Jungen, danach werden sie sechs Wochen lang gefüttert. Sie picken gegen den roten Fleck an der Spitze des Schnabels ("Brutfleck"). Die Eltern würgen dann die aufgenommene Nahrung, die für die Kleinen bestimmt ist, wieder herauf.
Anfang Juli gleicht die Vogelkolonie einem Flugübungsplatz, wenn die jungen Vögel ihre Flügel ausprobieren. Sobald die Jungen flügge sind, d. h. wenn sie fliegen können, begleiten sie ihre Eltern zum Wasser, wo sie die Futtersuche erlernen. Silbermöwen ernähren sich vor allem von Krebsen, Seesternen und Muscheln. Bis zum August haben die erwachsenen Silbermöwen die mühevolle Aufzucht der Jungen erledigt. Die Jungvögel können nun selbst für sich sorgen.

In den ersten drei Jahren hat die junge Silbermöwe ein graubraun gesprenkeltes Gefieder mit schwarzem Schnabel und schwarz-braunem Schwanzende. Im Laufe der Jahre wird das Gefieder immer heller. Mit vier Jahren sucht die junge Möwe sich einen Partner, mit dem sie das ganze Leben zusammen ist. Nur im Winter geht jeder Vogel seine eigenen Wege. Das Paar kommt erst im April wieder zusammen.
Der Langeooger Otto Fischer betreut seit über 20 Jahren die Vogelkolonie. Seit 1996 ist er außerdem als Nationalparkwart im Einsatz. Interessierten Gästen steht er gerne für Führungen durch das Brutgebiet zur Verfügung. Von Mai bis August ist er werktags ab 10.30 h am Vogelwärterhäuschen.
Gäste, die in der Brutzeit in Begleitung von Otto Fischer die Vogelkolonie durchstreifen, werden von den brütenden Möwen schnell als Eindringlinge, ja sogar Feinde empfunden und sollten sich daher an die Anweisungen des erfahrenen Vogelwartes halten.