Salzwiesen auf Langeoog

Die Salzwiese beginnt dort, wo die ersten Wurzelpflanzen am Watt siedeln können und reicht bis zum Spülsaum der höchsten Winterfluten. Sie ist flach wie das Meer, aus dem sie gewachsen ist. Die Insulaner nennen sie "Heller" und über Jahrhunderte wurde sie auch als Viehweide genutzt.

Im Winter wirkt die Salzwiese ruhig und eintönig. Erst wenn die Sonne höher steht und es wärmer wird, beginnen die Pflanzen zu sprießen. Die Wiese wird grün. Ab Mai heben sich Büschel zart rosafarbener Strandgrasnelken und weißes Löffelkraut vom Dunkelgrün des Andelgrases.
Der blau-grüne Strandwermut beginnt seinen Kräuterduft zu verschwenden. Im Hochsommer blüht der Strandflieder und verwandelt die Salzwiese in ein lila Blütenmeer. Zum Herbst färbt die Strandaster die Wiese blau. Strandsode und Queller tauchen sie anschließend in ein dunkles sattes Rotbraun. Bevor die Pflanzen absterben entwickeln sich die vielen Samen, die mit den Überflutungen überall verteilt werden. Schwärme von Zugvögeln, die im Herbst an der Küste entlang ziehen, fressen sich daran satt.

Der hohe Salzgehalt des Meerwassers ist für die meisten Wurzelpflanzen tödlich. Denn nur wer in den Wurzelzellen mehr Salz hat, als im Bodenwasser gelöst ist, kann das lebensnotwendige Nass aufnehmen. Doch dieses Salz ist ein tödliches Gift! Durch Sonne und Wind trocknet das Wasser rasch aus und die Pflanze muss neues Wasser und damit neues Salz aufnehmen. Die Pflanze wird immer salziger! Salzwiesenpflanzen sind daher meistens klein, denn so verlieren sie weniger Wasser. Der Queller überlebt, weil er zusätzlich schnell dick wird. So kann er das Salz soweit im Körper verteilen und verdünnen, dass es ihm nicht gefährlich wird. Der Strandflieder und die Grasnelken können das Salz sogar wieder aus den Blättern herauspumpen!

In der Salzwiese leben also Pflanzenspezialisten. Von diesen leben Insektenspezialisten, wie der Strandflieder-Rüsselkäfer oder die 25 Insektenarten, die nur von der Strandaster leben können. Sie werden gejagt von Salzwiesenspinnen, die sich bei Überflutungen mit einer Luftblase umhüllen, so dass sie nicht ertrinken. Andere Räuber flüchten auf hohe Pflanzen bis das Wasser wieder abfließt. Wenn sie Pech haben werden sie von einem langbeinigen Rotschenkel erwischt, der sie als leckeren Nachtisch verspeist.